. ⏰ Anker der Gegenwart: Im HIER und JETZT leben – Der Schlüssel zur Stressfreiheit
Achtsamkeit, Gefühle und Emotionen, Selbstfürsorge, StressDie Falle der mentalen Zeitreise
Der größte Stressfaktor ist nicht die Gegenwart, sondern das Denken über die Zeit. Unser Geist tendiert dazu, ständig zwischen zwei mentalen Zuständen hin und her zu springen:
- Die Vergangenheit (Schuld und Groll): Wir grübeln über Fehler, verpasste Chancen oder unfaire Behandlung. Dies führt zu Trauer, Wut und Bedauern.
- Die Zukunft (Angst und Sorge): Wir antizipieren Probleme, befürchten Misserfolge oder katastrophisieren mögliche Ergebnisse. Dies führt zu Angst und Stress.
Die Macht der Gegenwart (Eckhart Tolle)
Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle beschreibt in seinem Werk „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ (The Power of Now) diesen Zustand als die Ursache des menschlichen Leidens.
Tolle’s Kernbotschaft: Leiden entsteht nicht durch die äußeren Umstände, sondern durch die Identifikation mit dem denkenden Verstand. Dieser Verstand, das sogenannte Ego, ist ständig bemüht, die Gegenwart zu bewerten, zu beurteilen oder abzulehnen.
- Der Schmerz entsteht nur in der Vergangenheit oder Zukunft.
- Im Hier und Jetzt – wenn man den jetzigen Moment radikal annimmt – existiert kein Problem, nur die Aufgabe, die in diesem Augenblick erledigt werden muss.
Die Brücke zur Psychologie: Achtsamkeit
Achtsamkeit (engl. Mindfulness) ist die praktische Technik, um den Geist aus der mentalen Zeitreise zurück in die Gegenwart zu holen. Sie ist das Gegenteil von Autopilot.
Definition: Achtsamkeit ist das bewusste, nicht urteilende Gewahrsein des gegenwärtigen Moments.
| Der gegenwärtige Stressor | Die Achtsamkeitsreaktion |
| Gedanke: „Ich werde diesen Termin morgen vergeigen.“ | Faktencheck: „Das ist nur ein Gedanke. Meine Füße stehen gerade fest auf dem Boden. Ich atme ein.“ |
| Körpergefühl: Nacken schmerzt (durch vergangenen Stress). | Beobachtung: „Ich spüre eine Verspannung. Ich atme in diesen Schmerz, ohne ihn ändern zu wollen. Es ist nur ein körperliches Gefühl.“ |
3 Praktische Anker für das HIER und JETZT
Um den Geist aus der Falle der Vergangenheit und Zukunft zu befreien, braucht er einen Anker in der Gegenwart:
1. Der Atem als Notfallknopf
Der Atem ist der zuverlässigste Anker, da er immer im gegenwärtigen Moment stattfindet.
- Übung: Nimm Dir drei Minuten Zeit. Schließe die Augen (falls möglich). Lenke die gesamte Aufmerksamkeit auf das Gefühl des Atems – wie die Luft durch die Nase strömt, wie sich der Bauch hebt und senkt.
- Der Trick: Jedes Mal, wenn der Geist mit Gedanken abschweift, lächle innerlich und bringe die Aufmerksamkeit sanft und ohne Verurteilung zum Atem zurück.
2. Die 1-Minuten-Sinnes-Dusche
Diese Übung nutzt die fünf Sinne, um das Gehirn direkt mit der unmittelbaren Realität zu verbinden.
- Sehen: Welche drei Farben fallen Dir gerade auf?
- Hören: Welches ist das leiseste Geräusch, das Du wahrnehmen kannst?
- Fühlen: Wie fühlen sich Deine Kleidung, Dein Stuhl, der Boden unter Deinen Füßen an?
- Riechen/Schmecken: (Optional, je nach Situation) Welchen Geruch oder Geschmack nimmst Du wahr?
3. Die radikale Annahme der Tätigkeit
Oft sind wir körperlich bei einer Aufgabe, aber mental schon bei der nächsten. Dies führt zu schlechter Leistung und verminderter Lebensqualität.
- Übung: Wenn Du spülst, spüle. Nimm die Temperatur des Wassers wahr, den Geruch des Spülmittels, das Geräusch des schlagenden Geschirrs.
- Der Fokus: Wenn Du eine E-Mail schreibst, schreibe die E-Mail. Widerstehe dem Impuls, gleichzeitig zehn andere Tabs zu öffnen oder an den Feierabend zu denken.
- Fazit: Der gegenwärtige Moment ist der einzige Ort, an dem Du handeln kannst. Wer im Jetzt lebt, maximiert seine Effektivität und minimiert den Stress, der durch mentale Zerstreuung entsteht.
